GESUNDHEIT

KASTRATION UNSERER HUNDE – Fluch oder Segen und welche wissenschaftlichen Erkenntnisse es heute zu geben scheint!

Auf Wunsch widmen wir uns heute einmal dem Thema KASTRATION beim Hund. Das wird sicher ein längerer Post, aber Ihr werdet viele Informationen finden, die sicher noch kontrovers diskutiert werden, aber für beide Seiten gibt es noch keine eindeutigen Erkenntnisse….

Vorweg sei zu sagen, dass es bis heute rechtlich eigentlich so ist, dass Hunde gem. §1 des TierSchG eigentlich nicht kastriert werden dürfen.

Nach § 1 TierSchG trägt der Mensch die Verantwortung für das Tier als Mitgeschöpf und hat dessen Leben und Wohlbefinden zu schützen. Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen. Wer ein Tier hält oder betreut, muss es nach § 2 TierSchG tiergerecht ernähren, unterbringen und pflegen. Verstöße gegen tierschutzrechtliche Vorschriften können als Ordnungswidrigkeiten oder Straftatbestände geahndet werden (§ 17 und 18 TierSchG).

Tierschutzgesetz

Was heißt das nun also für unsere Haushunde? Darf eine Kastration ohne Weiteres durchgeführt werden? Hier schauen wir uns mal den §6 TierSchG an:

Nach §6 Absatz 1 TierSchG ist das vollständige oder teilweise Amputieren von Körperteilen oder das vollständige oder teilweise Entnehmen oder Zerstören von Organen eines Wirbeltieres verboten. Jedoch gilt das Verbot nicht, wenn der Eingriff im Einzelfall nach tierärztlicher Indikation geboten ist (§ 6 Abs. 1 Nr. 1a) bzw. zur Verhinderung der unkontrollierten Fortpflanzung oder – soweit tierärztliche Bedenken nicht entgegenstehen – zur weiteren Nutzung oder Haltung des Tieres eine Unfruchtbarmachung vorgenommen wird (§ 6 Abs. 1 Nr.5).

Tierschutzgesetz

Nach dem Tierschutzgesetz gelten Kastrationen als Amputationen. Des Weiteren wird in §6 Absatz 1 TierSchG gesagt, dass im Einzelfall nach tierärztlicher Indikation Ausnahmen erlaubt sind. Diese handeln sich im Wesentlichen um freilaufende Katzen – welche danach kastriert werden dürfen! Haushunde sind hiervon nicht berührt!

Für die unter Euch die einen Hund aus dem Tierschutz haben und dort einen Vertrag unterzeichnet haben der Euch vorschreibt, dass Ihr Euren Hund kastrieren müsst, DIESE REGELUNG IST GESETZESWIDRIG UND DER PASSUS SOMIT NICHTIG! Ihr könnt dagegen juristisch vorgehen, wenn Ihr Euren Hund nicht kastrieren lassen wollt.

Und da jetzt die Frage kommen wird, warum so viele Hunde kastriert werden, wenn es nach Tierschutzgesetzt verboten ist, diese Frage kann ich Euch nicht beantworten! Tierärzte sind angehalten eine notwendige Indikation für eine Kastration zu dokumentieren. ich vermute das sie das dann auch machen, aber auch hier müsste man ja mal hinterfragen wieso sooo viele Hunde kastriert sind. Aber um eines Vorweg zu nehmen, ich bin weder für noch gegen eine Kastration. Ich werde häufig von meinen Kunden gefragt was sie machen sollen und finde das muss man im Einzelfall beurteilen. Hat man zum Beispiel einen besonders aggressiven Rüden, dann kann es durchaus Sinn machen ihn kastrieren zu lassen. Aber wie gesagt, dass sollte man sich genau ansehen. Denn auch einfach zu kastrieren nur weil er oder sie aggressiv oder zickig ist kann auch fatale Folgen haben. Schauen wir uns das aber mal an:

Kastration vs. Sterilisation

Kastration bedeutet kurz gesagt, dass die Keimdrüsen (Eierstöcke oder Hoden) entfernt werden.

Eine Sterilisation ist die Unterbrechung des Samen- oder Eileiters ohne Entfernung der Keimdrüsen. Der Hund ist also nach einer Sterilisation zwar fortpflanzungsunfähig, bleibt aber ansonsten in jeder Hinsicht weiblich bzw. männlich, weil die hormonproduzierenden Keimdrüsen nach wie vor ihrer so wichtigen Tätigkeit nachgehen.

Nun weisen Tierärzte einen vor einer Kastration oder Sterilisation ja auf einige Vor- und Nachteile hin – die meisten Tierärzte kastrieren die Hunde übrigens mit dem Argument, dass wenn unsere Hunde eh keine Welpen bekommen können, dann brauchen sie ja auch die Gebärmutter nicht. Also gleich mit raus. Folgende Vor- und Nachteile werden häufig genannt:

Vorteile:

➢ Keine Läufigkeit mehr (keine Blutung, keine ungewollte Fortpflanzung)

➢ Je nach Zeitpunkt der Kastration so gut wie vollständige Verhinderung von Mammatumoren (Brustkrebs)

➢ Vermeidung von Eierstock-Tumoren und Gebärmutter-Vereiterung

➢ Vermeidung starker hormoneller Schwankungen im Rahmen der Läufigkeit

➢ Bei Rüden heisst es ja gern KANN MAN MACHEN, MUSS MAN ABER NICHT

Nachteile:

➢ Gelegentlich Harninkontinenz, häufiger bei der Hündin als beim Rüden

➢ Fellveränderungen, häufiger bei der Hündin als beim Rüden

➢ Verringerten Kalorienbedarfs was nach der Kastration zu Fettleibigkeit führen kann

➢ Schilddrüsenunterfunktionen (diese werden überhaupt eigentlich nur bei kastrierten Tieren festgestellt)

➢ Prostatatumoren (Rüden)

➢ Perianaltumoren (überwiegend gutartige Tumore um den After)

Was aber aus meiner Sicht kaum ein Tierarzt sagt ist, dass man Hündinnen, die in einem Wurf mit Rüdenüberschuß geboren wurden, diese eventuell lieber nicht kastriert werden sollten, da sie aufgrund eines zu vermutenden Testosteron Überschusses zu Aggressionen neigen können, wenn sie kastriert werden!

So sah es die Wissenschaft bis heute und so wird es einem von den meisten Tierärzten noch immer erklärt. Aber ist das wirklich noch so, oder gibt es neuere Erkenntnisse?

Man war bis dato der Ansicht, dass die Vorteile die Nachteile überwiegen und hat daher schnell geraten, dass eine Kastration sinnvoll wäre. Aber hat man sich hier nicht zu sehr auf alten gelernten Fakten ausgeruht? Wie sehen heutige Erkenntnisse denn aus? Schließlich wird uns ja schon seit Jahrzehnten gesagt das man ruhig kastrieren kann und dies sogar Vorteile hat, da man somit viele Krebsarten vermeiden kann….

Heutige Erkenntnisse:

KREBS! Bis heute wurde uns vermittelt, dass wir eine Krebsarten vermeiden können, wenn wir unsere Hunde kastrieren assen. Auch mir wurde das seinerzeit bei Emma so erklärt und klar wollte ich das vermeiden. Mit der Kastration wird einerseits das Auftreten bestimmter Tumore verhindert, andererseits aber steigt das Risiko für andere Krebsarten, und zwar wahrscheinlich so deutlich, dass das gesamte bisherige Kastrationskonzept in Frage gestellt wird.

In einem Beitrag im Journal of the American Veterinary Medical Association vom 01. Februar 2014 veröffentlichten Studie greift eine Tierärztin auf die Daten von rd. 2500 ungarischen Magyar Vizsla zurück, die zum Ergebnis hatte, dass kastrierte Hunde beider Geschlechter ein teilweise um ein Mehrfaches erhöhtes Risiko aufwiesen, an bestimmten Krebsarten (Mastzelltumore, Hämangiosarkom, Lymphosarkom) zu erkranken, und das auch noch zu einem deutlich früheren Zeitpunkt als unkastrierte Hunde. 

Hinweis vorweg: Gonadektomie = Kastration

Ergebnis der Studie von Frau Christine Zink

Hunde, die im Alter von ≤ 6 Monaten, zwischen 7 und 12 Monaten oder > 12 Monaten gonadektomiert wurden, hatten eine signifikant erhöhte Wahrscheinlichkeit, Mastzellkrebs, Lymphom, alle anderen Krebsarten oder alle Krebsarten zusammen zu entwickeln, und Angst vor Stürmen, verglichen mit der Wahrscheinlichkeit bei sexuell intakten Hunden. Hündinnen, die im Alter von ≤ 12 Monaten gonadektomiert wurden und Rüden und Hündinnen, die im Alter von > 12 Monaten gonadektomiert wurden, hatten eine signifikant erhöhte Wahrscheinlichkeit ein Hämangiosarkom zu entwickeln, verglichen mit der Wahrscheinlichkeit für sexuell intakte Hunde. Hunde, die im Alter von ≤ 6 Monaten gonadektomiert wurden, hatten eine signifikant erhöhte Wahrscheinlichkeit eine Verhaltensstörung zu entwickeln. Je jünger das Alter bei der Gonadektomie ist, desto früher ist das Durchschnittsalter bei der Diagnose von Mastzellkrebs, anderen Krebsarten als Mastzellkrebs, Hämangiosarkom, Lymphom, allen Krebsarten zusammen, einer Verhaltensstörung oder Angst vor Stürmen.

AVMA Journals 01.02.2014 – Frau M. Christine Zink -DVM, PhD

Fazit von Frau Christine Zink:

Es sind zusätzliche Studien zu den biologischen Auswirkungen der Entfernung von Gonadenhormonen sowie zu Methoden erforderlich, um Hunde unfruchtbar zu machen, bei denen keine Gonadektomie erforderlich ist. Tierärzte sollten den Nutzen und die möglichen nachteiligen Auswirkungen der Gonadektomie mit den Klienten besprechen und dabei die Hunderasse, die Umstände des Besitzers und die voraussichtliche Verwendung des Hundes berücksichtigen.

AVMA Journals 01.02.2014 – Frau M. Christine Zink -DVM, PhD

Heißt also nach diesen Erkenntnissen wäre das Risiko viel größer, bereits viel früher an anderen Krebsarten zu erkranken, wenn wir unsere Hunde kastrieren lassen!

Jetzt werden sicher viele Tierärzte aufschreien und sagen das ist völliger Blödsinn und das mag eventuell auch so sein, aber mir fehlt hier der Gegenbeweis, dass dem nicht so ist. Ich denke also es ist für jeden Einzelnen von uns sehr wichtig eine Kastration für sich selber abzuwägen und auch kritisch bei Euren Tierärzten zu hinterfragen. Folgt man dem Wunsch von PETA aus Oktober diesen Jahres dann möchte PETA Kastrationen von Hunden und Katzen verpflichtend machen!

PETA wünscht sich eine Verordnung, die das Kastrieren und Registrieren von Hunden und Katzen für jeden Tierbesitzer verpflichtend macht – es sei denn, ein Tierarzt stellt fest, dass der chirurgische Eingriff die Gesundheit des Tieres gefährden würde. Bis ein solches Gesetz in Kraft ist, appellieren wir an die Vernunft und das Gewissen jedes Tierbesitzers, sich durch die Kastration seines Tieres am Tierschutz zu beteiligen. In Österreich verlangt das Bundestierschutzgesetz übrigens bereits seit 2005, dass freilaufende Katzen kastriert werden müssen.

Peta – Warum die Kastration von Hund und Katze so wichtig ist – Oktober 2019
https://www.peta.de/kastration

Was ich von dem Wunsch von PETA halten soll weiß ich selber noch nicht. Bei Katzen kann ich den Wunsch ja irgendwie nachvollziehen, bei Hunden leider nicht. Wie ist denn hier Eure Meinung?

Was ist nun aber mein Fazit auf die Eingangsfrage zur Kastration?

Mein Fazit wie ICH mich heute entscheiden würde:

Würde ich die Entscheidung Kastration heute noch einmal treffen müssen, dann würde ich mich vermutlich im Bezug auf Emma gegen eine Kastration entscheiden. Die neusten Erkenntnisse und die Tatsache das es für beide Seiten keine 100%igen Argumente bzw. Beweise gibt würde mich zweifeln lassen. ich würde hier ganz genau abwägen und immer ein kritisches Gespräch mit Eurem Tierarzt führen. Leider ist das keine leichte Entscheidung und man sollte es sich definitiv gut überlegen.

Viele schwören auch auf die chemische Kastration. Ich persönlich bin kein so großer Freund davon, da auch diese Chemiekeule Nebenwirkungen hat. Aber es gibt auch gute Gründe sie kurzfristig mal zu testen. Aber das ist ein anderes Thema.

Würde mich über einen regen Austausch zu diesem Thema freuen. Ist ja doch ein sehr komplexer Eingriff in das Leben unserer Hunde.

In diesem Sinne eine schöne Restwoche von uns an Euch!

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